FAQ – Fragen und Antworten

Das Modell im Überblick

Was ist «nidau 3+»?

«nidau 3+» ist das geplante Oberstufenmodell des Schulverbands Nidau. Schülerinnen und Schüler auf Real- und Sekundarniveau besuchen künftig gemeinsame Stammklassen. In ausgewählten Fächern, insbesondere Deutsch und Mathematik, werden sie zusätzlich in Leistungsgruppen unterrichtet. In den übrigen Fächern erfolgt die Förderung innerhalb der Stammklasse differenziert. Wechsel zwischen Leistungsgruppen sind nach den dafür geltenden Regeln möglich, ohne dass dafür jedes Mal die Klasse und das soziale Umfeld gewechselt werden müssen. Die konkreten Entscheidzeitpunkte werden im pädagogischen Umsetzungskonzept verbindlich festgelegt.

Gemischte Stammklassen sind im Kanton Bern keine Besonderheit mehr. Viele Gemeinden kennen ähnliche Modelle der Oberstufe – auch im Seeland, zum Beispiel Lyss, Täuffelen und Orpund.

Eine Besonderheit des Schulmodells «nidau 3+» ist die unterschiedliche pädagogische Schwerpunktsetzung in den drei Jahrgängen. Dadurch können die Schülerinnen und Schüler besser auf ihre Berufslehre und auf weiterführende Schulen vorbereitet werden.

Warum wird die Oberstufe neu organisiert?

Der Kanton hat den Schulverband aufgefordert, seine Klassenorganisation zu überprüfen, weil die durchschnittliche Klassengrösse zu tief ist und nicht den kantonalen Vorgaben entspricht. Die Zahl der Klassen muss deshalb angepasst werden – unabhängig vom gewählten Oberstufenmodell. Wenn Klassen geschlossen werden müssen, ist dies eine Folge der Schülerzahlen und der verbindlichen kantonalen Vorgaben zur Klassengrösse – nicht des Modells «nidau 3+». Das Modell verbindet diese notwendige Reorganisation mit einem pädagogischen Konzept, das der individuellen Förderung der Jugendlichen dient: durch flexiblere Leistungsgruppen, gezieltere Förderung und durch eine stärkere Ausrichtung auf die Anschlusslösung nach der 9. Klasse.

Der Schulverband ist überzeugt, dass «nidau 3+» den Schulen die nötige Flexibilität (pädagogisch und organisatorisch) bietet, um alle Schülerinnen und Schüler stärker zu fördern und sie besser auf das Leben nach der Schule vorbereiten zu können.

Was bleibt gleich?

Der kantonale Lehrplan, die Zuweisung zum Real- oder Sekundarniveau und das Übertrittsverfahren am Ende der Primarstufe bleiben bestehen. Auch die Bildungswege bleiben offen: Berufslehre, Berufsmaturität, Gymnasium, Fachmittelschule und Wirtschaftsmittelschule. Bestehende besondere Förderangebote werden nicht abgeschafft.

Wann wird «nidau 3+» eingeführt?

Die Einführung ist ab dem Schuljahr 2027/28 mit den neuen 7. Klassen vorgesehen. Das Modell wächst danach jahrgangsweise. Schülerinnen und Schüler, die zum Zeitpunkt der Einführung bereits die Oberstufe besuchen, schliessen ihre Schulzeit im bisherigen Modell ab.

Bleibt die Stammklasse während aller drei Oberstufenjahre gleich?

In der 7. und 8. Klasse bildet die Stammklasse das stabile soziale Umfeld. In der 9. Klasse können die Stammklassen gegebenenfalls neu zusammengesetzt werden, damit Lerngruppen gezielt auf die individuellen Anschlussziele – Berufsausbildung, Gymnasium oder andere Mittelschule – ausgerichtet werden können.

Leistung und Förderung

Sinkt mit gemischten Stammklassen das Leistungsniveau?

Nein. Eine gemeinsame Stammklasse bedeutet nicht, dass für alle Schülerinnen und Schüler dieselben Anforderungen gelten. Die Zuweisung zum Real- oder Sekundarniveau bleibt bestehen. In ausgewählten Fächern arbeiten die Jugendlichen in passenden Leistungsgruppen; in den übrigen Fächern erhalten sie Aufgaben, Lernziele und Unterstützung entsprechend ihrem Lernstand. Entscheidend für das Leistungsniveau ist nicht allein die Zusammensetzung der Klasse, sondern wie klar der Unterricht differenziert und wie verlässlich die Förderung organisiert wird. Zudem ermöglicht das Modell eine flexiblere Verteilung der Förderlektionen. Davon können insbesondere auch Schülerinnen und Schüler des Sekundarschulniveaus mehr als heute profitieren.

Werden leistungsstarke Schülerinnen und Schüler genügend gefordert?

Ja, das ist ein zentraler Anspruch des Modells. Leistungsstarke Jugendliche erhalten in der Stammklasse anspruchsvolle Aufgaben und Vertiefungsmöglichkeiten und arbeiten in den ausgewählten Fächern auf dem entsprechenden Niveau. Die schulische Vorbereitung auf Gymnasium, Fachmittelschule und Wirtschaftsmittelschule bleibt Bestandteil des Unterrichts. Gleichzeitig sollen die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Zusammenarbeit und Verantwortungsübernahme weiterentwickeln, ohne dass fachliche Ansprüche abgesenkt werden.

Werden Schülerinnen und Schüler auf Realniveau benachteiligt?

Nein. Sie erhalten Unterricht und Unterstützung auf ihrem Lernniveau. In der 7. und 8. Klasse bleiben sie Teil einer stabilen Stammklasse; in der 9. Klasse kann diese im Hinblick auf die Anschlussziele neu zusammengesetzt werden. Verbessern sich ihre Leistungen, können sie leichter in eine anspruchsvollere Leistungsgruppe wechseln, ohne dafür zwingend die Klasse wechseln zu müssen. Umgekehrt kann ihnen zeitweise zusätzliche Unterstützung angeboten werden, ohne dass eine Schülerin oder ein Schüler dauerhaft auf ein Niveau festgelegt wird.

Erhalten in der gemischten Stammklasse alle dieselben Aufgaben?

Nein. Gemeinsames Lernen und differenzierte Anforderungen schliessen sich nicht aus. Lehrpersonen können unterschiedlich anspruchsvolle Aufgaben, verschiedene Lernwege und passende Unterstützungsangebote einsetzen. In ausgewählten Fächern stehen Leistungsgruppen und weitere Förderformen zur Verfügung. Das Modell legt die Jugendlichen nicht für alle Fächer und für die ganze Oberstufe auf dieselbe Lerngruppe fest.

Wie stärkt «nidau 3+» den Einstieg in die Berufslehre?

Die Oberstufe soll die Jugendlichen gezielter auf ihre Anschlusslösung vorbereiten. Dazu gehören Standortbestimmungen, persönliche Begleitung, auf die Berufswahl ausgerichtete Lernziele und passende Lernangebote in den letzten Schuljahren. Wer eine Lehrstelle anstrebt, kann fachliche Lücken gezielt schliessen und Stärken ausbauen. «nidau 3+» kann den Schülerinnen und Schülern keine Lehrstelle garantieren, verbessert aber die Möglichkeiten, schulische Förderung und Berufswahl enger aufeinander abzustimmen.

Heterogenität und besondere Förderung

Sind die Klassen nicht bereits heute sehr heterogen?

Ja. Heterogenität gehört bereits heute zum Schulalltag – auch in getrennten Real- und Sekundarklassen. Jugendliche unterscheiden sich in ihrem Vorwissen und Lerntempo, aber auch hinsichtlich Sprache, Motivation, Interessen und sozialer Entwicklung. Die organisatorische Trennung in Real- und Sekundarklassen reduziert nur einen Teil der Leistungsunterschiede, schafft aber keine homogenen Klassen. So zeigen zum Beispiel die PISA-Daten, dass sich die Leseleistungen der unterschiedlichen Anspruchsniveaus stark überschneiden. «nidau 3+» trägt dieser Realität Rechnung. Das Modell setzt auf differenzierten Unterricht, auf Zusammenarbeit im Klassenteam und auf gezielte Förderung und Unterstützung.

Zudem bietet «nidau 3+» mehr Flexibilität bei der Verteilung von Förder- und Unterstützungslektionen. Dadurch können sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrpersonen besser unterstützt werden.

Wird die Heterogenität durch gemischte Stammklassen noch grösser?

Ja, die Spannweite der schulischen Leistungen wird tendenziell grösser. Gleichzeitig eröffnet «nidau 3+» durch differenzierende Unterrichtsangebote mehr Möglichkeiten, auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen einzugehen. Die Jugendlichen lernen gemeinsam und können von unterschiedlichen Stärken und Perspektiven profitieren. Wo das Leistungsniveau für das Lernen besonders bedeutsam ist, können zudem passende Lerngruppen gebildet werden. Die Schülerinnen und Schüler werden so gezielter und flexibler entsprechend ihren aktuellen Kompetenzen gefördert. Das Modell verbindet damit gemeinsames Lernen mit niveaugerechter Förderung und schafft mehr Flexibilität als die durchgängige Einteilung in Real- und Sekundarklassen.

Wie werden Jugendliche mit sprachlichem oder zusätzlichem Unterstützungsbedarf gefördert?

Förderung richtet sich nach dem individuellen Lern- und Unterstützungsbedarf. Sprachförderung, heilpädagogische Unterstützung und weitere Massnahmen werden im Rahmen der kantonalen Vorgaben weitergeführt. Massgebend sind der individuelle Lernstand, die Entwicklung und die Unterstützung, die für den nächsten Lernschritt benötigt wird.

Werden besondere oder separative Förderangebote abgeschafft?

Nein. «nidau 3+» schreibt nicht vor, dass jede Förderung ausschliesslich in der Stammklasse stattfinden muss. Die bestehenden besonderen Förderangebote, darunter die Klasse zur besonderen Förderung, bleiben möglich. Wenn für einzelne Schülerinnen und Schüler eine kleinere oder zeitweise separate Lerngruppe pädagogisch sinnvoll und rechtlich vorgesehen ist, kann sie weiterhin eingesetzt werden. In besonderen Klassensituationen können die Schulen im Modell «nidau 3+» sogar entscheiden, eine Klasse häufiger in Leistungsgruppen zu unterrichten, als dies heute der Fall ist.

Warum werden nicht möglichst homogene Klassen gebildet?

Auch vermeintlich homogene Klassen weisen deutliche Leistungsunterschiede auf. Zudem überschneiden sich die Leistungen der unterschiedlichen Niveaus erheblich. Ausserdem entwickeln sich die Leistungen und Lernbedürfnisse der Jugendlichen im Verlauf der Oberstufe weiter. Eine starre Einteilung kann solche Entwicklungen nur begrenzt abbilden. «nidau 3+» setzt deshalb auf eine flexiblere Organisation, passende Lerngruppen in ausgewählten Fächern und stabile Stammklassen, die Zugehörigkeit, verlässliche Beziehungen und soziale Sicherheit über Leistungsniveaus hinweg ermöglichen.

Organisation, Kosten und Qualität

Ist «nidau 3+» eine Sparmassnahme?

Nein. Die kantonalen Vorgaben zur Klassengrösse machen eine Anpassung der heutigen Klassenorganisation notwendig – unabhängig davon, welches Modell gewählt wird. «nidau 3+» nutzt diese notwendige Veränderung, um Unterricht und Förderung pädagogisch weiterzuentwickeln, statt lediglich Klassen zusammenzulegen. Ziel ist nicht, Kosten einzusparen. Nach heutiger Planung soll die Einführung ohne zusätzliche Kosten für den Schulverband und die Verbandsgemeinden erfolgen.

Werden die Klassen grösser?

Die Klassenorganisation muss künftig die kantonalen Vorgaben erfüllen. Wie gross einzelne Klassen sind, hängt von den jeweiligen Jahrgängen und Schülerzahlen ab und lässt sich nicht für alle Jahre mit einer festen Zahl beantworten. «nidau 3+» ermöglicht jedoch, die Schülerinnen und Schüler gleichmässigerauf die Klassen zu verteilen und grosse Unterschiede bei den Klassengrössen zu vermeiden. Dadurch werden die vorhandenen Ressourcen gerechter auf die Schülerinnen und Schüler verteilt. Entscheidend ist, dass Lektionen, Lerngruppen und Unterstützungsangebote so eingesetzt werden, dass Unterricht und Förderung auch bei unterschiedlichen Lernvoraussetzungen gewährleistet sind.

Wer hat das Modell entwickelt?

«nidau 3+» wurdeim Schulverband und gemeinsam mit den Beteiligten vor Ort entwickelt. Am Entwicklungsprozess beteiligt waren die Schulleitungen, Lehrpersonen, die Abteilungsleitung Bildung, Kultur und Sport sowie das Präsidium der Bildungskommission. Der Prozess wurde zudem eng von externen Fachpersonen begleitet. «nidau 3+» ist damit kein von aussen übernommenes Standardmodell, sondern eine auf die Voraussetzungen und Bedürfnisse des Schulverbands Nidau zugeschnittene Lösung.

Wie werden die Lehrpersonen auf «nidau 3+» vorbereitet?

Die Lehrpersonen waren von Beginn an der Entwicklung von «nidau 3+» beteiligt. Bis zur Einführung werden die gemeinsamen pädagogischen Vorstellungen und Haltungen weiterentwickelt. In Klassen- und Fachgruppen entwickeln die Lehrpersonen gemeinsam differenzierende Unterrichtsangebote, tauschen Materialien und Erfahrungen aus und stärken so die Zusammenarbeit. Gezielte Weiterbildungen unterstützen diesen Prozess.

Wie wird geprüft, ob sich «nidau 3+» bewährt?

«nidau 3+» ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein Entwicklungsprozess. Die Einführung wird deshalb systematisch begleitet und ausgewertet. Dabei werden unter anderem die Lernentwicklung, die Klassengrössen, Wechsel zwischen Leistungsgruppen, Anschlusslösungen nach der 9. Klasse sowie Rückmeldungen von Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen berücksichtigt. Bei Anpassungsbedarf werden Organisation und pädagogische Umsetzung entsprechend weiterentwickelt.

Entscheid und weitere Informationen

Wann und wie wird entschieden?

Zur Umsetzung von «nidau 3+» ist eine Teilrevision des Organisationsreglements des Schulverbands Nidau erforderlich. Diese Reglementsänderung ist Gegenstand des politischen Entscheids. Sie schafft die rechtliche Grundlage für die neue Organisation der Oberstufe mit gemischten Stammklassen. Die zuständigen Organe der Verbandsgemeinden entscheiden über diese Reglementsänderung. Die Abstimmungsvorlagen der Gemeinden erläutern die beantragte Änderung und ihre Folgen. Die konkrete pädagogische und organisatorische Ausgestaltung von «nidau 3+» erfolgt innerhalb dieses Rahmens.

Wann entscheiden die Verbandsgemeinden über «nidau 3+»?

Alle Verbandsgemeinden ausser Nidau entscheiden an ihren Gemeindeversammlungen über die Teilrevision.

Hermrigen: 13. November 2026

Merzligen: 19. November 2026

Bellmund: 26. November 2026

Jens: 27. November 2026

Port: 1. Dezember 2026

Ipsach: 4. Dezember 2026

In Nidau wird am 19. November 2026 der Stadtrat über die Teilrevision befinden.

Worüber wird entschieden?

Damit gemischte Stammklassen möglich werden, muss das Organisationsreglement des Schulverbands Nidau teilrevidiert werden. Formell entscheiden die zuständigen Organe der Verbandsgemeinden über diese Reglementsänderung. Die Abstimmungsvorlagen der Gemeinden erläutern die beantragte Änderung und ihre Folgen. Da die Teilrevision den Verbandszweck betrifft, tritt sie nur in Kraft, wenn alle sieben Verbandsgemeinden zustimmen. Anschliessend ist die kantonale Genehmigung erforderlich.

Was geschieht bei einem Nein?

Bei einem Nein bleibt das geltende Organisationsreglement in Kraft. «nidau 3+» kann in der vorgesehenen Form nicht umgesetzt werden. Die kantonalen Vorgaben zur Klassenorganisation müssen jedoch unabhängig vom Abstimmungsergebnis eingehalten werden. Der Schulverband müsste deshalb eine andere organisatorische Lösung erarbeiten und den zuständigen Organen vorlegen. Wie diese Lösung konkret aussähe und welche Auswirkungen sie auf Klassen, Standorte, Personal und Kosten hätte, ist heute offen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Aktuelle Unterlagen werden auf nidau3plus.ch veröffentlicht, darunter die Abstimmungsvorlagen.

Auskünfte erteilt Lukas Jaggi, Abteilungsleiter Bildung, Kultur und Sport der Stadt Nidau: lukas.jaggi@nidau.ch, 032 332 94 31.